Evangelische Kirchengemeinde Wiesbaden-Bierstadt

Aussen ev Kirche 1708

Herzlich Willkommen auf unserer Homepage.

Weitere Informationen finden Sie unter: "Aktuelles"

Link zum Gottesdienst - Feiern Sie mit uns

Liebe Gottesdienstbesucherinnen und Gottesdienstbesucher, unser Technikteam stellt die Gottesdienste immer exakt zum angekündigten Termin ein, leider gibt es aber trotzdem manchmal leichte Zeitverschiebungen. Bitte entschuldigen Sie dies.

Wahlergebnis der Kirchenvorstandswahl 2021

3für1 - Licht und Hoffnung

Wochenlieder - hören Sie doch mal rein

3für1 singt - eine musikalische Auszeit

3für1 - Andachten
 

Über die Macht der Worte – Gedanken von Pfarrer Messner zum Monat Oktober


Liebe Gemeinde,

in der Bibel lese ich im Jakobusbrief im dritten Kapitel über die Macht menschlicher Worte:

„Wenn wir den Pferden den Zaum ins Maul legen, damit sie uns gehorchen, so lenken wir auch ihren ganzen Leib. Siehe, auch die Schiffe, obwohl sie so groß sind und von starken Winden getrieben werden, werden sie doch gelenkt mit einem kleinen Ruder, wohin der will, der es führt.
So ist auch die Zunge ein kleines Glied und richtet große Dinge an. Auch die Zunge ist ein Feuer, eine Welt von Ungerechtigkeit. So ist die Zunge unter unseren Gliedern: Sie beflecket den ganzen Leib und zündet die ganze Welt an und ist selbst von der Hölle entzündet.
Denn jede Art ist von Tieren und Vögeln und Schlangen wird gezähmt und ist gezähmt vom Menschen, aber die Zunge kann kein Mensch zähmen, das unruhige Übel, voll tödlichen Giftes. Mit ihr loben wir den Herrn und Vater, und mit ihr fluchen wir den Menschen, die nach dem Bilde Gottes geschaffen sind."
(Aus dem Neuen Testament: Jakobusbrief 3, 3 – 9)

In der Grundschule lernte ich ein Spiel kennen. Die Kinder bilden einen Kreis. Ein Kind wird ausgesucht und darf seinem rechten Sitznachbarn einen Satz ins Ohr flüstern. Dieses Kind soll dann den Satz wiederum seinem Sitznachbarn ins Ohr flüstern. Und so weiter – bis der Satz schließlich wieder seinem Urheber im Ohr landet. Stille Post – was anfangs gesagt wurde, worum es ursprünglich in der Sache ging, war dann durch die vielen Ohren und Münder so verformt, dass der Urheber verblüfft war.
Später am Gymnasium erfuhr ich dann, dass die Heranwachsenden dieses Spiel weiterspielen. Ein lustiges Spiel war es dann oft nicht mehr. Was man über Menschen auf dem Schulhof redete, schädigte den Ruf dieser Menschen und war bei näherem Hinsehen vielfach unbegründet und verfälscht. Ich lernte, dass es ein Unrecht sein kann, Dinge unreflektiert weiterzugeben. „Die Zunge ein kleines Glied am Leibe und richtet große Dinge an". Dieses Bibelwort spricht von einer bitteren Sache und mahnt uns, sorgsam zu prüfen, wie wir über andere reden. Was menschliche Worte können: Verletzen, blamieren, beleidigen, vergiften. Trage ich mit meinen Worten zu einem friedlichen, liebevollen Miteinander bei? Oder trage ich durch mein Verhalten dazu bei, dass Keile zwischen Menschen getrieben werden und das Miteinander vergiftet wird?

Im Monat Oktober feiern wir einen Gottesdienst, dessen Leitthema ist: Leben nach den Geboten Gottes. Das 8. Gebot lautet: „Du sollst nicht falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten." Und der Wochenspruch für diesen Gottesdienst: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: Nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott."
(Micha 6, 8)

Liebe muss man üben, sagt der Prophet Micha. Liebesvolles Verhalten muss man einüben. Es ist nicht so, dass wir schon Meister wären in der Liebe zum Nächsten. Hilfreich ist die Unterscheidung: Was ist Liebe, und was ist nicht Liebe?

Jemandes Ruf schädigen ist sicher nicht im Sinne christlicher Nächstenliebe. Vorschnell den Stab über jemanden zu brechen, ist nicht Liebe. Öl in ein brennendes Feuer, das gelöscht und befriedet werden muss, hineinkippen ist nicht Liebe. Und dass Mobbing gegen eine Person, weil einem die Nase nicht passt, eine christliche Tugend sei, habe ich noch nirgends in der Bibel gelesen.

Was also ist Liebe? Einander lieben bedeutet im Zusammenhang zwischenmenschlicher Kommunikation für mich: Miteinander reden. Verhalten, das mich stört, beim anderen ansprechen. Überlegen, welche Gründe jemand hat, zu schweigen. Und wenn es zu Verletzungen gekommen ist, ist der erste Schritt, die Person direkt anzusprechen. So gibt man dem anderen die Chance, etwas zu ändern oder sich zu entschuldigen. Oder es künftig besser oder anders zu machen. Das bedeutet es, in Liebe miteinander umzugehen. Erst einmal wohlwollend wahrnehmen, was der andere sagt. Den größeren Zusammenhang zu verstehen. Diskret umgehen mit persönlichen Dingen. Liebe ist das Bemühen, den anderen zu verstehen und ihm die Chance zur Besserung geben. Was Worte auch können: Anspornen, motivieren, Mut machen, beschützen.
„Alle Eure Dinge lasst in der Liebe geschehen", sagt die Bibel. Möge also unser Reden und Hören im Geist der Liebe Jesu geschehen. Sachlich, klar und freundlich.

Mit herzlichen Gruß,
Ihr Pfarrer Philip Messner